Der “Konflikt-Echo-Effekt”

Warum partnerschaftliches Miteinander vor allem eine Frage der Haltung ist.
Vielleicht bin ich da etwas altmodisch. Aber ich vermisse zunehmend etwas im Geschäftsleben: ein partnerschaftliches Miteinander. Der Gedanke „des Handschlages eines ehrbaren Kaufmanns“ mag aus einer anderen Zeit stammen. Die Haltung dahinter ist für mich jedoch aktueller denn je: Eine Zusage hat Gewicht. Ein Wort hat Wert. Und eine Partnerschaft im Geschäftsleben verdient Wohlwollen und Klarheit.
Heute erleben wir immer häufiger das Gegenteil. Die Erreichbarkeit und das Antwortverhalten ist teilweise nur noch schwer akzeptabel. Mittlerweile scheint es fast zum „guten Ton“ zu gehören, auf Nachrichten und Anfragen einfach nicht mehr zu reagieren. Gespräche werden angekündigt, Entscheidungen in Aussicht gestellt, Rückmeldungen versprochen und es passiert nichts.
Es gibt in der Flut der Informationen auch Gründe für ein solches Verhalten, vielleicht vermeidet man aber auch nur gerne den Konflikt bzw. ein mögliches unangenehmes Gespräch. Langfristig schafft man damit aber etwas viel Schwierigeres: Misstrauen.
Und genau hier beginnt für mich der Konflikt-Echo-Effekt: Wie wir mit schwierigen Situationen und Menschen umgehen, kommt irgendwann als Echo zu uns zurück.
Wer keine Klarheit gibt, darf sich über Unklarheit nicht wundern. Wer Konflikte aussitzt, darf sich nicht wundern, wenn Vertrauen verloren geht. Wer sich selbst alle Optionen offenhält, darf sich nicht wundern, wenn andere irgendwann genauso handeln. Und wer Partnerschaft nur dann lebt, wenn es den eigenen Interessen dient, wird irgendwann feststellen, dass andere ebenfalls so agieren.
Natürlich verändern sich Prioritäten. Strategien werden angepasst. Budgets gestrichen. Entscheidungen revidiert. Das alles ist legitim. Die Frage ist nicht, ob wir „Nein sagen“ oder Entscheidungen sich verändern. Die Frage ist, wie wir es tun. Ein offenes und klärendes Gespräch kann mehr Vertrauen schaffen als scheinbare bzw. künstlich erstellte Harmonie. Denn Partnerschaft zeigt sich nicht dann, wenn alles einfach ist. Sie zeigt sich genau dann, wenn es schwierig wird.
Für mich ist das deshalb keine Frage von Business-Etikette, Überforderung oder Kommunikationsstil. Es ist in erster Line eine Frage der Haltung. Wie ernst nehme ich mein gegebenes Wort? Wie viel Respekt habe ich vor der Zeit, den Bemühungen und den Erwartungen meines Gegenübers? Welche Wettschätzung bringe ich dem anderen Entgegen? Und bin ich bereit, die gleiche Verbindlichkeit zu geben, die ich von anderen erwarte?
Vielleicht sollten wir uns gerade in einer immer schnelleren Geschäftswelt wieder etwas stärker an eine alte kaufmännische Tugend erinnern: denn am Ende ist Vertrauen nichts, was man einfordern kann, sondern was durch den wetschätzenden Umgang miteinander wachsen kann. Vertrauen ist das Echo der eigenen Haltung.
Wie erlebt Ihr das aktuell? Ist Partnerschaft im Geschäftsleben tatsächlich auf dem Rückzug?